Ein Näschen für die Würze

ÜbersteileTreppen ge-langt man in Kohlstetten auf der Schwäbischen-Alb ins Obergeschoss des Wohnhauses der Familie von Hannelore Schillinger-Sauer. Dort ist ihre Produktionsküche eingerichtet; es riecht nach Kräutern und Gewürzen. „Steve Jobs hatauch einmal in der Garage angefangen“, sagt die 61-Jährige und lacht. Ihre Firma „Respecca“ gibt es seit neun Jahren. Die Abkürzungsteht für „Respectfully Cambodia“ – denn im Mittelpunkt ihrer Arbeit stehe der Respekt für die Kultur von Kambodscha und vor dessen alter Handelstradition. Schillinger-Sauer spricht lieber vom „respektvollen“ als vom fairen Handel.

„Mich hat das Land einfach fasziniert“: Angefangen hat alles mit einer Arte-Dokumentation über Kambodscha, die sie im Fernsehen sah. Kurzentschlossen reiste Schillinger-Sauer hin alleine und mit zwei Adressen im Koffer. Der Mut wurde belohnt, sie knüpfte Kontakte. Zunächst importierte sie kambodschanische Seide, die sie an Handelskunden weiterverkaufte: zufairen Bedingungen von einer dortigen Manufaktur, im direkten Kontakt mit den Webern. Seit vier Jahren importiert sie auch kam-bodschanischen Pfeffer, roten und schwarzen. „Ich kenne die Bauern und das Land.“ Das sei zur Erfolgsgeschichte geworden, sagt die Händlerin.

Die Nachfrage wuchs immer mehr. Vor knapp zwei Jahren kam Schillinger-Sauer auf die Idee, heimische Kräuter und Gewürze zu mischen: Die vertreibt sie seither in ihrer Firma unter dem Label „Albfiness“. Mädesüß, eine Pflanze, die an jedem Bachlauf wächst, wird beispielsweise zu Dessertzucker verarbeitet. Es gibt den „Kuss des Südens“ oder den „Albgockel“ als Gewürzmischung für Geflügel von der Alb. „Jedes Produkthat eine eigene Geschichte.“ Die Zutaten sind von heimischen Erzeugern. Die Namen kreiert sie selbst, das liebevolle Outfit ihrer Verpackungen stammt von einem Albstadter Designer. Schillinger-Sauer schreibt Genusskarten zu jeder Mischung. Auch die Warenwirtschaft übernimmt sie in Eigenregie.

Mittlerweile hat die Händlerin 19 Gewürze im Angebot. Und es werden immer mehr. Tipps gibt eine Kräuter-Expertin aus der Schweiz. Schillinger-Sauer mischt beispielsweise Zitronenthymian von der Alb mit schwarzem Pfeffer aus Kambodscha. Und seit neuestem kooperiert sie mit der Hochschule Albstadt-Sigmaringen. Studierende entwickeln als Bachelorarbeit im Marketing neue Produkte für Albfiness; im November ist die Präsentation. Wenn Produktionskapazitäten frei werden, unterstützt der „Freundes-kreis Mensch“ in Gomaringen die Firma. Getrocknet werden die Kräuter in den Werkstätten der Reutlinger Bruderhaus-Diakonie. 

Schillinger-Sauer vertreibt ihre Produkte im Internet und im Einzelhandel, in Hofläden und bei regionalen Händlern. Manche Abnehmer beliefert sie bis nach Fürstenfeldbruck und in den Schwarzwald: „Ich bin immer auf der Suche nach Partnern, die gut gestaltete Produkte suchen. “Sie besucht Regionalmärkte, auch den in Tübingen. Alle zwei Wochen fährt die Händlerin auf Messen. Bundesweit: „Es läuft richtig gut, der Wiedererkennungswert ist sensationell.“ Im Dezember ist die Kräuterfrau aus Kohlstetten auf der Tübinger Chocolart, dafür will sie eine eigene Mischung entwickeln. Sie gastiert auf Events regionaler Firmen, im November etwa unter der Überschrift „Pfeffer und Seide“ in Pfullingen. DieTätigkeit ist längst ein Fulltime-Job, irgendwann wird sie jemanden einstellen. Wenn man Schillinger-Sauer fragt, wie viele Stunden in der Woche sie arbeite, sagt sie nur: „Zu viele“ und lacht. Weil es immer beschwerlicher wird, die vielen Eimer mit Zutaten die steilen Treppen hinauf und die abgepackten Gläser wieder hinunter zu schleppen, richtet sie ein paar Häuser weiter die leerstehende, ebenerdige Küche einer früheren Metzgerei als neue Produktionsstätte ein. Und weil die Kunden immer wieder fragen, wo es ihre Erzeugnisse in ihrem Heimatort zu kaufen gebe,b aut sie jetzt im Genossenschaftsgeschäft „Laden und Mehr“ in Kohlstetten ein Regal mit „Albfiness“-Produkten auf. Ihr Online-Shop geht demnächst mit neuem Outfit ins Netz. Schillinger-Sauer macht eine Sensorik-Weiterbildung beim Bundesverband Naturkost, um ihr Näschen für neue Gewürze noch mehr zu verfeinern. Was die Händlerin als Nächstes angehen will, ist die Bio-Zertifizierung ihrer Erzeugnisse. Die seien zwar „Bio“ – aber das darf bislang noch nicht draufstehen. Was sie anpackt, scheint zu gelingen. Schillinger-Sauer hat in einem anderen Leben zehn Jahre lang für ein renommiertes Steuerberatungsbüro in der EDV gearbeitet,  diese Erfahrungen kommen ihr jetzt bei der Verwaltung der eigenen Firma zu gute. Sieben Jahre war sie bei der Münsinger Volkshochschule tätig. Dort war Schillinger-Sauer als stellvertretende Leiterin für vier Fachbereiche zuständig, sie betreute Deutschkurse für Ausländer, organisierte erste Sprachangebote für Aussiedler und  Flüchtlinge. Diesen Job hat sie für die eigene Firma an den Nagel gehängt: „Wenn man etwas tut, dann tut man es ganz, da muss man seine ganze Person dahinter  setzen“, sagt sie.

 

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